Braucht die Welt noch eine Ausgabe von „Calvin und Hobbes“? Nach der Werkausgabe, nach den Einzelbänden, nach der Jubiläumsausgabe, nach dem dicken Schuber mit den drei Leinenbänden? Dumme Frage. Man sollte sich diese eigentlich gar nicht stellen, weil die Antwort von vornherein feststeht. Ja. Natürlich. Immer. Es kann nicht genug Calvin und Hobbes auf dieser Welt geben, und der Carlsen Verlag hat mit einer neuen Kompakt-Ausgabe gerade den Beweis dafür nachgereicht.

©Carlsen Verlag

Diesmal kommt der Klassiker im Taschenformat daher: zwei schmale Bände, 229 mal 153 Millimeter, zusammen 288 Seiten, hübsch verpackt in einem Schuber – das erste von insgesamt sieben geplanten Sets, das fast 500 Strips aus den Jahren 1985 bis 1987 versammelt. Das Entscheidende dabei: Das Querformat der einzelnen Bände gibt den Strips genau die Breite zurück, die sie einst in der Zeitung hatten. Man liest die Vierpanel-Streifen wieder so, wie sie gedacht waren – von links nach rechts über die Doppelseite, mit der Pointe am rechten Rand, dort, wo sie hingehört. Nach Jahren der Alben, in denen die Strips gestapelt und zusammengequetscht wurden, ist das fast eine kleine Wiedergutmachung am Original. Und ganz nebenbei passt so ein schmaler Band natürlich hervorragend in jede Reisetasche, jeden Rucksack, jede Zugjackentasche – ein Comic für die Hosentasche der Erwachsenen und den Rucksack der Jugendlichen.

Ein Sechsjähriger, ein Tiger, ein Universum

Wer die Geschichte nicht kennt: Calvin ist sechs, hyperaktiv, ein kleiner Philosoph mit Baseballkappe und der festen Überzeugung, die Erwachsenenwelt sei eine einzige Verschwörung gegen ihn. Sein bester Freund ist Hobbes, ein Stofftiger – für die Erwachsenen im Strip ein leblos herumliegendes Plüschtier, für Calvin und für uns Leser ein Wesen mit eigenem Kopf, eigener Ironie, eigener Klugheit. Dieser Kniff, der nie erklärt und nie aufgelöst wird, ist das eigentliche Genie der Serie: Man weiß nie ganz sicher, ob Hobbes wirklich lebt oder ob er nur Calvins Fantasie ist, und genau diese Unschärfe hat unzählige Comics nach ihm geprägt, von imaginären Begleitern in Kinderbüchern bis zu Sidekicks mit doppeltem Boden in modernen Graphic Novels. Ohne Calvin und Hobbes sähe die Zeichnung von kindlicher Fantasie im Comic anders aus.

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Am 18. November 1985 erschien der erste Strip, am 31. Dezember 1995 der letzte, nach nur zehn Jahren – für viele Fans zu kurz, aber genau richtig für ihren Schöpfer. Zeitweise lief der Strip in über 2400 Zeitungen weltweit, und bis heute wurden die Sammelbände millionenfach verkauft. Bill Watterson, geboren 1958 in Washington, aufgewachsen im ohioischen Chagrin Falls, hatte zuvor nur einen kurzen, glücklosen Job als politischer Cartoonist bei einer Tageszeitung, bevor der Durchbruch kam. Danach wurde er zu einer der eigenwilligsten Figuren des amerikanischen Comicbetriebs: Er weigerte sich konsequent, Calvin und Hobbes zu vermarkten. Keine T-Shirts, keine Tassen, keine Plüschtiger im Laden – er streikte sogar kurzzeitig, um genau das zu verhindern, weil er seine Figuren nicht als Merchandise, sondern als Comic verstanden wissen wollte. Diese Haltung hat ihm den Ruf des Eigenbrötlers eingebracht, der bis heute kaum Interviews gibt – aber sie hat auch dafür gesorgt, dass Calvin und Hobbes bis heute so unverbraucht wirkt wie am ersten Tag. Kein Calvin-Kaffeebecher hat je die Magie der Strips verwässert.

Warum dieser Band trotzdem sein muss

Man könnte zynisch sagen: noch eine Ausgabe, noch ein Format, noch ein Grund zum Nachkaufen. Aber wer die beiden Bände einmal aufschlägt, wird schnell merken, dass es hier nicht um Marketing geht, sondern um Lesevergnügen im Wortsinn. Man blättert durch Schneemänner-Massaker und Zeitreise-Unfug, durch Calvins wilde Fantasien als Weltraumforscher oder Dinosaurier, durch die stillen, fast melancholischen Sonntagsseiten, in denen Watterson zeigt, dass ein Kinderstrip auch große Kunst sein kann – und man merkt, wie gut einem das tut. Dieser Humor ist nie zynisch, nie böse, dafür anarchisch, klug und zutiefst positiv, ohne jemals kitschig zu werden. Es ist Lebensfreude zum Durchblättern, in kleinen Vierpanel-Dosen, genau richtig für die Zugfahrt, die Mittagspause, den Abend auf dem Sofa. Und ehrlich: Genau davon kann man in dieser Welt nie zu viel haben. Sieben Sets wird es geben – man darf sich schon jetzt auf die nächsten sechs freuen.

Calvin und Hobbes Kompakt 1

von Bill Watterson
Verlag: Carlsen

288 Seiten
229 mm x 153 mm
ISBN 978-3-551-80421-1
ab 14 Jahren

Preis 28,00 €
Link: https://www.carlsen.de/softcover/calvin-und-hobbes-kompakt-1/978-3-551-80421-1