Donald Duck ist die berühmteste Ente der Welt. Seit fast 100 Jahren ist er eine der prägendsten Comicfiguren und bekannter als die meisten realen Persönlichkeiten. Seinen unglaublichen Erfolg verdankt er Carl Barks. Der Zeichner hat Donald Duck zwar nicht erfunden, aber zu der Ente gemacht, die sie noch heute ist. Die Bedeutung von Carl Barks für Disney und darüber hinaus kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Daher ist es nur recht und billig, dass ihm mit einem XXL-Buch eine opulente Ehre erwiesen wird.

Der Taschenverlag hat kürzlich den Band „Disney Comics Library. Carl Barks’ Donald Duck. Vol. 1: 1942–1950” veröffentlicht. Auf rund 700 Seiten im Tageszeitungsformat bietet er einen umfassenden Einblick in das Schaffen von Carl Barks. Donald Duck ist dabei allerdings nicht seine Erfindung. Der Name „Donald Duck” wurde erstmals 1931 in dem Bilderbuch „The Adventures of Mickey Mouse” erwähnt. Schon damals wurde seine Figur als ein Freund von Micky Maus eingeführt. Es dauerte jedoch noch eine Weile, bis sich Donald als eigenständiger Charakter etabliert hatte. Im Jahr 1934 erschien mit „Die kluge kleine Henne” (The Wise Little Hen) der erste Zeichentrickfilm mit Donald Duck. Auch hier spielte er zunächst nur eine Nebenrolle, ebenso wie in einigen weiteren Kurzfilmen. Schon damals zeigte er einige seiner typischen Eigenschaften, zum Beispiel seine aufbrausende Art.
Neben seinen Filmauftritten erhielt Donald ab 1936 eine eigene Comic-Serie, die in zahlreichen Tageszeitungen erschien. Die Comicstrips waren meist nicht länger als vier Bilder, Al Taliaferro war lange Zeit deren Zeichner. Doch erst Carl Barks machte in den 1940er Jahren aus Donald einen eigenständigen Charakter mit Tiefe und Geschichte. Mehr noch: Damit nicht Donald immer alleine seine Späße machen musste, erfand er kurzerhand andere Figuren wie Onkel Dagobert, Daniel Düsentrip, die Panzerknacker oder Gustav Ganz und legte so den Grundstein für Entenhausen.








In dem liebevoll produzierten Werk kann man nun die Reise von Donald Duck aus der Feder von Carl Barks noch einmal begleiten. Dazu gehört auch ein Blick hinter die Kulissen. Neben den zahlreichen wunderschön restaurierten Reproduktionen gibt es einen ausführlichen Essay des Disney-Historikers Jim Fanning. In der Comic-Sammlung sind schließlich die Arbeiten zu finden, die Carl Barks zwischen 1942 und 1950 zeichnete. Dazu gehören auch die Abenteuer „Lost in the Andes” und „Donald Duck Finds Pirate Gold”. Die Nachdrucke wurden mit viel Liebe aufbereitet und das große Format tut den Comics gut. Die Werkschau betrachtet die ersten acht Jahre der „Four Color Comics“, in denen die längeren Geschichten ursprünglich abgedruckt wurden.
Obwohl die Geschichten zuvor in Deutschland veröffentlicht wurden, werden sich einige deutsche Leser die Augen reiben. Die Geschichten gibt es nämlich im Original und nicht in deutscher Übersetzung. Der Sprachwitz der Übersetzerin Erika Fuchs geht damit zwar verloren, was aber echte Fans eher erfreuen dürfte. Denn mit ihren Übersetzungen habe Erika Fuchs laut Fachleuten die ursprünglichen Absichten von Carl Barks häufig konterkariert. Barks hatte sich immer wieder kritisch mit dem American Way of Life auseinandergesetzt, wovon in der Übersetzung nur wenig übrig blieb. Wie dem auch sei: Donald-Fans, die bisher nur die deutsche Fassung kennen, können seine frühen Arbeiten so tatsächlich neu entdecken.

Die Sammlung ist eine passende Hommage an den Helden im Matrosenanzug und den verehrten „Duck Man“ Carl Barks, eine offizielle Disney-Legende und Comic-König. Allerdings gibt es eine Einschränkung. Drei Storys, die einst von Barks geschrieben wurden, sind nicht enthalten. Disney hat der Veröffentlichung von „Voodoo Hoodoo” aus dem Jahr 1949, „Frozen Gold” aus dem Jahr 1945 und „Land of the Totem Poles” aus dem Jahr 1950 nicht zugestimmt. Das liegt an Disneys neuer Ausrichtung. Der US-Medienkonzern überarbeitet seinen Katalog und veröffentlicht Werke nicht erneut, wenn sie stereotype Darstellungen nutzen oder als rassistisch interpretiert werden können. Solche Entscheidungen gelten nicht nur für den Abdruck alter Geschichten, sondern auch für Wiederveröffentlichungen von Filmen., wie zum Beispiel bei „Onkel Remus Wunderland„.
Aber zurück zum Buch. Taschen hat mit dem ersten Band der „Disney Comics Library” begonnen und damit Carl Barks’ Donald Duck” und den Fans der Neunten Kunst einen großen Dienst erwiesen. Nie zuvor hatte man die Möglichkeit, das Werk von Carl Barks in solcher Pracht zu sehen. Wer möchte, kann sich das Buch auch als echtes Sammlerstück zulegen. Der Verlag hat eine Collectors-Edition mit einigen Extras im „Angebot“, die auf 1000 Exemplare limitiert ist.
Die Liebe zum Comic hat beim Taschen Verlag übrigens Tradition. Der Gründer Benedikt Taschen hatte einst eine umfangreiche Comic-Sammlung. Um diese zu verkaufen, gründete er Anfang der 1980er den Verlag und verlegte kurze Zeit später selbst Comics.

Disney Comics Library. Carl Barks’s Donald Duck. Vol. 1. 1942–1950
Verlag: Taschen
Hardcover, 28 x 39.5 cm, 4.30 kg, 636 Seiten
ISBN 978-3-8365-9636-7
175 Euro
Link zu Buch: https://www.taschen.com/en/books/comics/08168/disney-comics-library-carl-barks-s-donald-duck-vol-1-1942-1950/